Das Bundesamt für Energie hat am 8. Januar den Watt d’Or 2026 verliehen, den renommierten Schweizer Energiepreis. Zu den vier Preisträgern gehört die Endigo Holding AG aus Fiesch, die in der Kategorie «Erneuerbare Energien» für ihre in Alpenfassaden integrierte Photovoltaikanlage ausgezeichnet wurde. Das Start-up-Unternehmen Divea mit Sitz in Sitten wurde ebenfalls indirekt für seinen Beitrag zum Innovation Lab von Gaznat ausgezeichnet, in dem Technologien für die Sektorkopplung, Dekarbonisierung und saisonale Speicherung getestet und zur Marktreife gebracht werden.
Der neue Hauptsitz der endigo Holding AG auf über 1000 Metern Höhe im Goms ist eine bemerkenswerte Innovation in einer Region, in der die Energieerzeugung vor allem aus Wasserkraft stammt. Der leichte Holzbau mit seiner Fassade aus vertikalen Lamellen symbolisiert die Werte der Gruppe: regionale Verankerung, Nähe zur Natur, technische Kompetenz und Zukunftsorientierung.
Ein einzigartiges Architekturprojekt
Die Anfang 2024 gegründete endigo-Gruppe umfasst sechs Unternehmen, die Wasserkraftwerke in der Region betreiben, die Energieversorgung sicherstellen und Dienstleistungen im Bereich Energie und Anlagen erbringen. «Schon bei der Konzeption des Gebäudes war es uns wichtig, Energieerzeugung und Ästhetik in Einklang zu bringen», erklärt Damian Zumstein, CEO von endigo. «Wenn nicht der Energieversorger der Region, wer dann?»
Die vertikalen Lamellen, welche die Fassaden umgeben, bestehen aus speziell angefertigten Aluminiumprofilen. Diejenigen an der Süd- und Westfassade sind mit Photovoltaikmodulen ausgestattet, während die anderen mit massiven Lärchenholzplatten verkleidet sind. Diese Fassadenverkleidung fügt sich elegant in die alpine Umgebung ein, bietet Sichtschutz und mildert die Erwärmung des Gebäudes im Sommer.
Energieerzeugung: mehr als nur Selbstversorgung
Zusammen bieten die Solarfassaden und -dächer eine maximale Leistung von 73 kWp mit einer Jahresproduktion von rund 90’000 kWh. Die Heizung wird durch eine Wärmepumpe mit Erdwärmesonden gewährleistet. «Unsere ersten Erfahrungen mit dem Gesamtsystem sind äusserst positiv. Wir produzieren doppelt so viel Energie, wie wir verbrauchen, sodass wir nicht nur autark sind, sondern auch Strom ins regionale Netz zurückspeisen können», freut sich Damian Zumstein. Im Februar 2025 konnten die rund 50 Mitarbeitenden der Gruppe das neue Gebäude in Fiesch beziehen.
Know-how zum Teilen
«Die Erfahrung mit alpinen Photovoltaikanlagen an Fassaden ist noch begrenzt», erklärt Damian Zumstein. «Wir lernen daher viel aus unserem Projekt und sind bereit, dieses Wissen zu teilen. » Dieser Wille zum Wissensaustausch ist einer der grössten Vorteile des Projekts, das andere ähnliche Projekte in den Alpenregionen inspirieren könnte.
Innovation Lab Gaznat mit Walliser Kompetenzen
Am Standort in Aigle hat Gaznat ein in der Schweiz einzigartiges Innovationslabor eingerichtet, das neue Technologien für die Sektorkopplung, Dekarbonisierung und saisonale Speicherung im industriellen Massstab testet. Dieses Projekt, das ebenfalls mit einem Watt d’Or ausgezeichnet wurde, schlägt eine Brücke zwischen Industrie, Start-ups und der EPFL.
Unter den vielversprechenden Technologien, die in diesem Labor getestet werden, sticht insbesondere die CO2-Abscheidung hervor. Sie erfolgt mittels ultradünner Graphenmembranen, welche mit Nanoporen perforiert sind, die nur CO2 mit einem Reinheitsgrad von über 90% durchlassen. Diese Innovation ist das Ergebnis der Arbeit eines von Gaznat finanzierten Lehrstuhls an der EPFL Wallis und von Divea, einem Spin-off der EPFL mit Sitz im Wallis, dessen Entwicklung von der Stiftung The Ark begleitet wird. Der gemeinsam von GRZ-Technologies, Gaznat und der EPFL Wallis entwickelte Methanisierungsreaktor ermöglicht eine nahezu vollständige Umwandlung von CO2 in synthetisches Methan mit einer deutlich höheren Ausbeute als bei bestehenden kommerziellen Katalysatoren.
Der Watt d’Or verabschiedet sich
Der Watt d’Or wurde 2007 vom Bundesamt für Energie ins Leben gerufen und zeichnet seit neunzehn Jahren vorbildliche Leistungen im Energiebereich aus. Ziel dieser Auszeichnung ist es, aussergewöhnliche Leistungen bekannt zu machen und Wirtschaft, Politik, aber auch die breite Öffentlichkeit dazu anzuregen, die Vorteile vielversprechender Energietechnologien kennenzulernen. Die Ausgabe 2026 ist die letzte Verleihung dieses prestigeträchtigen Preises.
Für diese letzte Ausgabe wurden bis Mitte Juli 2025 nicht weniger als 55 Bewerbungen eingereicht. Ein Expertenkomitee wählte 17 davon für die Endrunde aus, bevor eine Jury unter dem Vorsitz von Nationalrätin Susanne Vincenz-Stauffacher die Gewinner in vier Kategorien bestimmte.
Neben der endigo Holding AG wurden bei der Zeremonie im Kongresszentrum Kursaal in Bern drei weitere Preisträger ausgezeichnet: das Gasversorgungsunternehmen Gaznat aus Vevey und Aigle (VD) in der Kategorie «Energietechnologien», die Rigitrac Traktorenbau AG aus Küssnacht am Rigi (SZ) in der Kategorie «Energieeffiziente Mobilität» sowie die Wohnbaugenossenschaft «mehr als wohnen», die Lemon Consult AG und das Low-Tech Lab aus Zürich in der Kategorie «Gebäude und Raum».
Quelle: Medienmitteilung und Dokumentation Bundesamt für Energie
