Event Smart Energy: Die Steuerung der Netze – ein zentraler Faktor für den Energiesektor

Wie lassen sich Stromnetze so steuern, dass sie robuster, zuverlässiger und besser interpretierbar werden? Diese zentrale Frage stand im Mittelpunkt der 16. Ausgabe des Event Smart Energy, die am 27. und 28. August auf dem Campus Energypolis in Sion stattfand. Rund zehn Fachleute aus dem Energiesektor teilten ihre Erfahrungen. Künstliche Intelligenz (KI) stand dabei selbstverständlich im Zentrum der Diskussionen, denn sie entwickelt sich zu einem unverzichtbaren Instrument für die Steuerung von Energieerzeugung und -verbrauch. Unter anderem soll sie dazu beitragen, die Daten von Tausenden kleinen Energieerzeugungsanlagen in der ganzen Schweiz zusammenzuführen.

EPFL-Professor Christophe Ballif eröffnete den Event Smart Energy mit einer Keynote, in der er einen ausgesprochen optimistischen Blick auf die weltweite Energiewende warf. In der Schweiz stellt er einen Rückgang bei der Installation von Solaranlagen fest, der mit den aktuellen Unsicherheiten rund um die Rückliefertarife für Strom zusammenhängt. «Wir dürfen nicht vergessen, dass wir dies tun, um die Welt zu retten, und nicht, um Gewinn zu erzielen», betonte er.

Gleichzeitig verwies er auf konkrete technische Herausforderungen, insbesondere im Zusammenhang mit dem hohen Anteil an Solarenergie im Netz. «Es besteht ein echtes Risiko einer Überproduktion zur Mittagszeit, hinzu kommen Herausforderungen im Bereich der Cybersicherheit. Das technische Risiko steigt, wenn wir diese Produktion nicht richtig steuern können.» Eine bessere Koordination zwischen den Akteuren des Stromnetzes wird damit unerlässlich. «In der Schweiz gibt es rund 600 Verteilnetzbetreiber, was die Koordination sehr komplex macht.» Für ihn gehört die Zukunft einem flexibleren System, das in der Lage ist, Produktionsüberschüsse aufzunehmen.

Am Freitagmorgen zeigte Katrin J. Yuan auf, dass künstliche Intelligenz und Energie in einer ambivalenten Beziehung zueinander stehen. KI kann den weltweiten Stromverbrauch sowohl erhöhen als auch dazu beitragen, ihn zu senken. «Es geht nicht um KI gegen Energie. KI ist ein Verstärker – des Problems oder der Lösung, je nachdem, wie wir sie steuern», fasste sie zusammen. Gleichzeitig betonte sie, dass sich die Energiezukunft nicht auf technologischer Ebene entscheiden werde, sondern vielmehr durch Governance, Transparenz und internationale Zusammenarbeit.

Wer steuert cloudbasierte Systeme wirklich?

Marc Sommer, Leiter der Unit Energy bei Softcom, machte die Verteilnetzbetreiber auf einen oft übersehenen Aspekt aufmerksam: Mit der zunehmenden Zahl dezentraler Anlagen – Photovoltaik, Batterien, Ladestationen und Wärmepumpen – steigt auch die Zahl der Anwendungen und Cloud-Lösungen, mit denen diese Anlagen ohne Zustimmung der Netzbetreiber aus der Ferne gesteuert werden können. Die Vielfalt der Anbieter ist dabei möglicherweise nur scheinbar gegeben. «Hundert Anbieter bedeuten nicht hundert voneinander unabhängige Ausfallrisiken, wenn ihre Steuerbefehle letztlich über dieselben drei oder vier Portale laufen.»

Im weiteren Verlauf des Vormittags erhielten die Teilnehmenden einen Einblick in den Alltag von Nant de Drance, einer der bedeutendsten Anlagen der Schweiz für die Flexibilisierung des Stromnetzes. Das Pumpspeicherkraftwerk funktioniert wie eine riesige Batterie mit einer Speicherkapazität von 20 GWh und kann mit einer einzigen Füllung mehr als 4’000 Haushalte mit Strom versorgen. Im Jahr 2025 erreichte das genutzte Volumen 1 TWh. Der Schwerpunkt des Betriebs liegt zwischen April und Oktober, wenn die Solarstromproduktion am höchsten ist. Dies führt zu täglichen Zyklen mit Turbinierung am Morgen und Abend sowie Pumpbetrieb während des Tages. «Eine der grössten Herausforderungen für Nant de Drance ist die Verfügbarkeit der Anlage», erklärt Direktor Jeremy Urech. Anders als bei einer klassischen Anlage bedeutet jede verpasste Gelegenheit einen direkten Nettoverlust, der später nicht mehr ausgeglichen werden kann – eine bedeutende Herausforderung angesichts jährlicher Kosten von rund 91 Millionen Franken.

Franziska Megert von EnAlpin und Karl Werlen von Misurio präsentierten anschliessend die konkrete Umsetzung einer «FlexFabrik». Dabei handelt es sich um einen grossen Batteriespeicher am Eingang des Saastals, der dem Netzbetreiber zusätzliche Flexibilität bietet. Bei der Umsetzung konnte das Projekt auf das Know-how des Walliser KMU Misurio zählen.

Die entscheidende Bedeutung von Daten

Während der Podiumsdiskussion am Ende des Vormittags, moderiert vom Journalisten Jonas Schneiter, diskutierten vier Experten über den Wandel bei der Steuerung des Stromnetzes, die heute im Sekundentakt statt im Wochenrhythmus erfolgen muss. François Maréchal (Prof. EPFL Valais) hob die wachsende Zahl kleiner Produzenten und Verbraucher hervor, darunter Elektrofahrzeuge und Gebäude, die auf Quartierebene künftig wie Batterien genutzt werden könnten. Ben Gemsjäger (Siemens) verwies auf konkrete Beispiele aus Europa, insbesondere auf Deutschland, wo kleine Anlagen bereits seit 2024 integriert werden. Gleichzeitig wies er auf den Mangel an geeigneter Software hin, etwa an SCADA-Systemen der neuen Generation.

Benoît Martinet (FMV) erinnerte daran, dass grosse Wasserkraftanlagen wie Nant de Drance weiterhin unverzichtbar sind, um die Stabilität des Stromnetzes zu gewährleisten und dezentrale Lösungen zu ergänzen. Nicolas Varone (OIKEN) präsentierte seinerseits die konkreten Fortschritte seines Unternehmens, das über ein virtuelles Kraftwerk bereits 4 Megawatt Flexibilität steuert. Bis Ende des Jahres soll dieser Wert auf 19 Megawatt steigen.

Die vier Referenten waren sich über die entscheidende Bedeutung von Daten einig. Insbesondere die Erneuerung der Stromzähler soll eine präzisere Steuerung des Netzes in Echtzeit ermöglichen. Gleichzeitig betonten alle, dass die Endverbraucherinnen und Endverbraucher weiterhin im Zentrum der Entscheidungen stehen müssen und einfache, verständliche Lösungen – insbesondere durch klare Tarife – entscheidend sein werden.

17. Ausgabe bereits angekündigt

Rund 180 Personen nahmen an der 16. Ausgabe des Event Smart Energy teil. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Stiftung The Ark und CleantechAlps mit Unterstützung von FMV, EPFL Valais, Siemens, OIKEN und der HES-SO Valais-Wallis. Die 17. Ausgabe ist bereits für den 26. und 27. August angekündigt. Das Programm wird Anfang nächsten Jahres bekannt gegeben.

Weitere Informationen: Event Smart Energy

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