Vom jungen Schreiner zum geschäftsführenden Gesellschafter ist es nur ein kleiner Schritt … einer, der 25 Jahre dauert. Die Geschichte der Übernahme von Astori SA durch David Bader und seine fünf Gesellschafter zeigt deutlich, dass eine Unternehmensübergabe nicht immer nach einem akademischen Modell verläuft. Zwischen einem auslösenden Brand, Jahren der Reifung und einem intensiven Endspurt fand diese Nachfolgeregelung schliesslich ein «Happy End».
Die Geschichte beginnt vor etwa 25 Jahren. Astori SA, ein Familienunternehmen für Holzbau mit Sitz in Brämis, beschäftigt damals 35 bis 40 Mitarbeitende. Jean-Charles Astori leitet die Firma nach der Übernahme im Jahr 1995 in zweiter Generation. Zu dieser Zeit denken seine Kinder nicht daran, das Familienunternehmen zu übernehmen, während ebenfalls in diesem Zeitraum David Bader, ein junger Schreiner, in der Werkstatt eingestellt wird.
Von 2000 bis 2010 baut sich jeder seine eigene Welt auf. Das Unternehmen floriert und wächst auf 110 Mitarbeiter an, während David Bader seinen eidgenössischen Meisterbrief erwirbt. Jean-Charles Astori glaubt immer noch, dass seine Kinder das Unternehmen irgendwann übernehmen werden. Doch ein Ereignis verändert alles.
Oktober 2010: Der Brand, der alles verändert
«Der Brand in Brämis im Oktober 2010 ist ein wesentlicher Teil unserer Geschichte», erzählt David Bader. Angesichts der Flammen stellt sich die Frage: Wie geht es weiter? Jean-Charles Astori beschliesst, weiterzumachen, aber mit einer neuen Vision. «Es ist das erste Mal, dass er über die Zukunft des Unternehmens spricht, und damit sind die Überlegungen in Gang gekommen»“, erinnert sich der derzeitige Geschäftsführer. Der Fokus verlagert sich allmählich von den Kindern des Chefs auf interne Mitarbeitende.
Von 2010 bis 2021 prägen viele Ereignisse diese lange Phase des Nachdenkens. «Zuerst sassen etwa zehn Personen am Tisch, dann zwei. Seit 2017–2018 bin ich allein», erklärt David Bader. Das Tagesgeschäft läuft bis 2021. In diesem Jahr besteht die Unternehmensleitung aus sechs Personen.
2021: Das Angebot, das den Prozess wirklich in Gang setzt
Der Auslöser kam 2021, als Jean-Charles Astori 65 Jahre alt wurde. «Die sechs Personen der Geschäftsleitung machten ein Übernahmeangebot, um die Dinge voranzubringen. Zu diesem Zeitpunkt kam der Prozess ins Rollen, wobei auch emotionale Aspekte eine Rolle spielten», erzählt David Bader. Die Verhandlungen betrafen nicht nur Jean-Charles Astori, sondern die gesamte Familie Astori.
Je weiter die Gespräche voranschritten, desto mehr wollten die Käufer Einblick in die Unternehmensabläufe nehmen, um deren Funktionsweise zu verstehen. «Je tiefer wir in die Materie eindrangen, desto mehr prallten die Visionen beider Seiten aufeinander», gesteht der Geschäftsführer. Zwischen 2022 und 2023 arbeitete Baders Team intensiv mit externen Beratern zusammen, darunter das Centre de cautionnement et de financement (CCF).
Die entscheidende Rolle externer Akteure
«Das CCF war eine integre und externe Instanz, die unsere Szenarien überprüft hat. Wir sind in dieser Zeit enorm gewachsen»“, betont David Bader. Diese letzte Phase war besonders intensiv und emotional sehr aufreibend. «Es gab viele Sitzungen der letzten Chance. Es war eine besondere Zeit, in der sich alles schnell bewegte. Wir mussten die Sichtweise des Verkäufers verstehen.»
Schliesslich wurde eine Lösung gefunden. Die ersten Gespräche fanden 2010 statt, der Auslöser kam 2021, aber der Kaufvertrag wurde erst Ende 2023 unterzeichnet. «Dreizehn Jahre Vorbereitung. Das war notwendig, um alles aufzubauen. Aber die eigentliche Arbeit der Übergabe erfolgte innerhalb von anderthalb Jahren», erklärt David Bader.
Ein Sechs-Personen-Modell zur Sicherung des Unternehmens
Heute beschäftigt Astori SA 80 Mitarbeitende und hat sechs Gesellschafter, die das Unternehmen übernommen haben. «Wir ergänzen uns in unseren Kompetenzen und sind mit der gewählten Lösung zufrieden», freut sich der Geschäftsführer. Das Unternehmen feiert nächstes Jahr sein 65-jähriges Bestehen.
Jean-Charles Astori ist glücklich über den Ausgang der Dinge. «Das Unternehmen bleibt im Wallis und dort verankert. Er ist stolz darauf, dass er das geschafft hat», berichtet David Bader. Und der heute 45-Jährige denkt bereits an die Zukunft. «Wir denken schon über die nächste Übergabe nach, die in einigen Jahren stattfinden wird, und vielleicht einen neuen jungen Schreiner einbeziehen wird.»
Die Lehren aus einer langen, aber erfolgreichen Übergabe
Aus dieser Erfahrung zieht David Bader mehrere Lehren. «Man muss schnell externe Partner einbeziehen, um die Ideen aller zu bestätigen», rät er. Vor allem aber muss man, sobald die Entscheidung gefallen ist, Tempo machen. «Es gibt immer Ereignisse, die den Übergang behindern: Menschen, die gehen, Covid … Sobald der Schritt beschlossen ist, muss man ihn gehen.»
Eine Geschichte, die beweist, dass mit Geduld, Entschlossenheit und den richtigen Partnern selbst die komplexesten Übergaben gelingen können.
Weitere Informationen: ASTORI
