Die Westschweizer Plattform CleantechAlps hat die bislang grösste Umfrage in der Romandie zum Verhältnis von KMU zur Nachhaltigkeit durchgeführt. Mit 680 Antworten von Unternehmensverantwortlichen zeichnen die Ergebnisse ein differenziertes Bild: Das Bewusstsein nimmt zu, doch konkrete und strukturierte Massnahmen bleiben weiterhin die Ausnahme.
Schweizer KMU sind zunehmend mit europäischen Nachhaltigkeitsanforderungen konfrontiert – auch ohne EU-Mitgliedschaft. Geschäftsbeziehungen mit europäischen Partnern, das 2023 verabschiedete Klima- und Innovationsgesetz sowie steigende Anforderungen der Banken erzeugen realen Druck. In der Folge müssen Unternehmen Daten liefern, die mit europäischen Standards vergleichbar sind, oft ohne über die nötigen Instrumente oder Ressourcen zu verfügen.
Die Mehrheit der befragten Unternehmen – zu 75 % aus dem industriellen Bereich und überwiegend mit weniger als 50 Mitarbeitenden – hat bereits Schritte im Bereich Nachhaltigkeit eingeleitet. Diese Massnahmen bleiben jedoch häufig punktuell, wenig priorisiert und selten in eine Gesamtstrategie eingebettet. Das Bewusstsein ist vorhanden – die strukturelle Verankerung deutlich weniger.
Geld und Zeit als grösste Hürden
Knapp 60 % der Befragten nennen finanzielle Ressourcen als grösstes Hindernis bei der Umsetzung nachhaltiger Massnahmen. Über 40 % geben zudem an, dass andere Prioritäten als dringlicher eingestuft werden. Die administrative Belastung betrifft insbesondere kleinere Unternehmen, während Widerstand gegen Veränderungen eher in grösseren Strukturen beobachtet wird.
Eine Zahl sticht besonders hervor: Rund 50 % der Unternehmen verfügen über keinen formalisierten Risikomanagementplan. Dieses Ergebnis entspricht jenem einer Umfrage aus dem Jahr 2022 – und das trotz der damaligen Bedrohung durch eine mögliche Energieknappheit. Drei Jahre später, trotz des Kriegs in der Ukraine und globaler wirtschaftlicher Turbulenzen, hat sich dieser Wert nicht verändert.
In Bezug auf die Mitarbeitermobilität planen 42 % der Unternehmen keine formalisierte Strategie, und 18 % kennen dieses Konzept nicht einmal. Am weitesten verbreitet sind Homeoffice und flexible Arbeitszeiten, die von 65 % der Befragten umgesetzt werden. Anreize für die Nutzung des öffentlichen Verkehrs bieten rund 40 % der Unternehmen. Für die grosse Mehrheit spielt Mobilität zudem keine Rolle bei Standortentscheidungen.
Konkreter Unterstützungsbedarf
Die Hälfte der Unternehmen äussert Bedarf an Unterstützung – etwa bei der Erstellung eines Aktionsplans, der Wahl einer geeigneten Zertifizierung, der Durchführung einer CO₂-Bilanz oder der Definition von Leistungsindikatoren.
Auf Grundlage dieser Ergebnisse hat CleantechAlps mit Unterstützung von platinn eine Reihe von Sensibilisierungsmodulen entwickelt, die Themen wie Lebenszyklusanalyse, Kreislaufwirtschaft oder geltende Regulierungen abdecken. Diese Module stehen für Präsentationen an Generalversammlungen, Workshops oder anderen Veranstaltungen zur Verfügung.
Die Zielsetzung bis 2030 ist klar: Ein deutlich grösserer Teil des Westschweizer Wirtschaftsgefüges soll in einen kohärenten, strukturierten und mit den Ressourcen der KMU kompatiblen Nachhaltigkeitsprozess eingebunden werden.
Hier sind die Ergebnisse der Umfrage: Ergebnisse der Umfrage
Quelle: Medienmitteilung CleantechAlps
