Le Glaçon Suisse: Eine Fabrik in Saxon, um nicht mehr von importierten Eiswürfeln abhängig zu sein

Wussten Sie, dass ein Eiswürfel manchmal bis zu 900 Kilometer per Lastwagen zurücklegt, bevor er in Ihrem Glas landet? Helvetic Ice, ein im Mai 2025 gegründetes Jungunternehmen, hat vor Kurzem seine Marke «Le Glaçon Suisse» aus einer brandneuen Produktionsstätte in Saxon lanciert. Das Ziel: lokal sowie ökologisch und wirtschaftlich effizienter produzieren, um der wachsenden Nachfrage in der Westschweiz gerecht zu werden.

Julien Haquin, CEO von Le Glaçon Suisse, kennt das Problem aus eigener Erfahrung. Als Leiter eines Eventunternehmens in Genf stellte er fest, wie schwierig die Versorgung mit Eiswürfeln sein kann. «Die Eiswürfel kommen aus dem Ausland, teilweise sogar aus Spanien und Deutschland», erklärt er.

Diese Beobachtung veranlasste ihn dazu, in Genf ein erstes Unternehmen für die Herstellung von Eiswürfeln zu gründen. «Innerhalb von zwei Jahren habe ich festgestellt, dass eine grosse Nachfrage nach 100% Schweizer Eiswürfeln besteht», erklärt er. Diese Genfer Erfahrung, die mittlerweile beendet ist, diente als Sprungbrett für die Gründung von Helvetic Ice im Mai 2025. Mit Unterstützung privater Investoren errichtete Helvetic Ice in Saxon eine Produktionsstätte, die strengsten Gesundheits- und Umweltstandards entspricht. Das Unternehmen ist nach ISO 22000, 14001 und 9001 zertifiziert und das einzige seiner Branche, das über diese Zertifizierungen verfügt. Der Firmensitz befindet sich derzeit noch in Genf, soll aber langfristig ins Wallis verlegt werden.

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Eine automatisierte und energieeffiziente Produktion

Der Herstellungsprozess basiert auf einer Vibrationssiebtechnologie, mit der Verunreinigungen nach dem Gefrieren aus dem Wasser entfernt werden. Anschliessend gelangen die Eiswürfel in einen auf -20 Grad Celsius gekühlten Trockner. Dieser Schritt verhindert, dass sie aneinanderkleben. «Die Produktionslinie ist automatisiert und mit Kameras ausgestattet. Vor Ort ist nur eine Person erforderlich, um die Verpackung zu koordinieren», erklärt Julien Haquin.

Die Produktionsstätte in Saxon wird mit einem zu 100% erneuerbaren Energiemix betrieben – ein Aspekt, den Julien Haquin als zentral für sein Projekt betrachtet. «Das macht einen grossen Unterschied und sorgt für einen deutlich geringeren CO₂-Fussabdruck.» Zum ökologischen Vorteil kommt ein wirtschaftlicher hinzu. «Die Produktion in der Schweiz ist zudem deutlich günstiger als der Import von Eiswürfeln aus dem Ausland.» Beim Rohstoff stammt das verwendete Wasser mehrheitlich aus Quellen. «Langfristig versuchen wir, zu 100% Quellwasser zu verwenden. Aber das hat seinen Preis», relativiert er.

Ein wachsender Markt, angetrieben durch steigende Temperaturen

Die Nachfrage nach Eiswürfeln nimmt sowohl in der Schweiz als auch im übrigen Europa aufgrund des Klimawandels stetig zu. «Mit den steigenden Temperaturen beobachten wir einen immer grösseren Bedarf», stellt Julien Haquin fest. Die Strategie des Unternehmens besteht darin, sich direkt an Importeure und Händler zu wenden und nicht an Privatkunden.

Zwei Monate nach dem Start seiner Kommunikation erschliesst Le Glaçon Suisse seinen Markt noch schrittweise, wobei der Schwerpunkt zunächst auf der Westschweiz liegt. «Der Markt entwickelt sich gut», sagt der CEO, der in der lokalen Produktion eine Antwort auf mögliche Versorgungsengpässe sieht.

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Der Detailhandel im Visier

Derzeit richtet sich Le Glaçon Suisse nicht an Privatkunden. «Die Idee ist, kostengünstig zu vertreiben und an Händler zu verkaufen», fasst Julien Haquin zusammen. Zu den wichtigsten Zielmärkten gehören der Detailhandel sowie die Event- und Horeca-Branche, in denen das Unternehmen seine Geschäftstätigkeit aufgenommen hat. Langfristig möchte das Unternehmen auch grosse Detailhändler wie Coop oder Migros für sich gewinnen.

Aktuell werden zwei Produktvarianten angeboten, die beide in Saxon hergestellt werden: klassische Eiswürfel und Eis für Cocktails, erhältlich in Verpackungsgrössen von 2, 5 und 10 kg.

Saxon – vor allem eine pragmatische Wahl

Dass sich die Produktionsstätte in Saxon niedergelassen hat, ist in erster Linie auf logistische und finanzielle Gründe zurückzuführen. «Ausschlaggebend war das Gebäude, das dort verfügbar war», erklärt Julien Haquin. «Der Quadratmeterpreis war attraktiv, und eine Autobahnausfahrt befindet sich in unmittelbarer Nähe.»

Helvetic Ice beschäftigt derzeit vier Mitarbeitende. Das Unternehmen stützt sich jedoch auf ein wesentlich grösseres Ökosystem. «Viele Aufgaben werden ausgelagert. Rund 50 Personen sind an dem Projekt beteiligt, einschliesslich der Investoren», erklärt der CEO.

Die Geschäftstätigkeit von Le Glaçon Suisse ist eng mit der Entwicklung der Gastronomiebranche verbunden. «Eiswürfel sind der Treibstoff der Bars. Mehr Eiswürfel bedeuten, dass mehr Getränke serviert werden können», fasst er zusammen. Das Unternehmen setzt zudem auf Bestellungen von Tankstellen, die einen weiteren vielversprechenden Absatzmarkt für seine Produkte darstellen.

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